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Authentisch reisen: So findest du das Herz deiner Ziele

Authentisch Reisen: Beitragsbild
Oder: Eine Liebeserklärung an New York!

„These streets will make you feel brand new; big lights will inspire you!“
Selten hat eine Liedzeile für mich so extrem gepasst, wie diese aus Empire State of Mind von Alicia Keys. Warum? New York ist für mich pulsierend, inspirierend, wunderschön, voller neuer Erfahrungen und hat sich im November in zehn Tagen zu meiner absoluten Herzensstadt gemausert. Am liebsten würde ich sofort umziehen. Ich glaube, dass diese bedingungslose Liebe – vorher war es mehr eine Leidenschaft mit Skepsis – nicht zuletzt deshalb erst bei meinem dritten Besuch im „Big Apple“ entstand, weil ich zum ersten Mal so richtig das Gefühl hatte, den Puls der Stadt zu spüren. Ihr Herz gefunden zu haben. Und ehe ich mich versah, hat sie mir meins geklaut.

Wie das passieren konnte? Darüber denke ich, seit wir wieder in Berlin sind, viel nach. Und ich glaube, die Antwort ist zweigeteilt. Zum einen haben wir uns dieses Mal so richtig treiben lassen. Ich finde, es gibt einige Unternehmungen und Tricks, die mich dem Herzen eines Ortes (gefühlt) nahe bringen. Du möchtest wissen, was? Dann springe hier direkt zu meinen Tipps.

Zum anderen hat New York sich einfach von seiner allerschönsten Seite gezeigt. In zahlreichen Momenten lag so viel Perfektion. Und selbst wenn sie hässlich waren, dann waren sie wenigstens echt. Außerdem waren wir mit guten Freunden unterwegs. Und der Trip war emotional. Kein Wunder also, dass er mir ans Herz ging.

Und was tut man, wenn man so richtig verschossen ist? Richtig: Man schreibt Liebeserklärungen. Manchmal nur für sich selbst. Sicher verwahrt, so dass niemand sie je finden kann. Und manchmal traut man sich dann doch zu seinen Gefühlen zu stehen:

Authentisch Reisen: Brooklyn Bridge

© Matthias Lackas

Ich blicke über die Brooklyn Bridge. Unter uns hupen Autos. Es ist Rush Hour und die Blechlawine schiebt sich über die Brücke. Autos voller Menschen auf dem Heimweg von der Arbeit. Voller Geschichten so divers wie diese Stadt. Oben auf dem Walkway tummeln sich Touristen; schieben sich dicht an dicht über die Brücke. Fahrräder rattern über das Holz. Die Fahrer klingeln und fluchen, wenn ihnen wieder jemand vor die Räder hüpft, um das perfekte Bild vom Sonnenuntergang zu ergattern.

Die Foto-Jäger haben sich einen guten Abend zum Besuch der Brücke ausgesucht. Er ist wunderschön: Wie ein roter Feuerball geht die Sonne über der Skyline von Manhatten unter; färbt alles in Orange und Goldgelb. Ich bin mittendrin im Gewusel aus Stimmen, Autos, Fahrrädern und dem Rauschen des Windes. Und plötzlich empfinde ich einen Moment der Stille. Ich schaue auf die glitzernden Häuser, lasse den Blick schweifen. Mich überrumpelt ein Gefühl, so rein und unverfälscht, dass ich mich zusammenreißen muss, nicht loszuheulen. Ich brauche zwei Momente ehe ich verstehe, was los ist: Es ist das Gefühl von purem Glück. Ich fühle mich frei. Ich bin zufrieden. Und ich habe den Eindruck, in diesem Moment seien wir eins – die Stadt und ich.

In zehn Tagen holt mich dieses Gefühl immer wieder ein: Beim Überqueren einer überfüllten Straße an einem sonnigen Vormittag in Chinatown. Beim Schlürfen eines viel zu süßen Pumpkin Spice Lattes im Washington Square Park. Bei einem Bummel durch Brooklyns wunderschönes Viertel Park Slope, vorbei an Backsteinhäusern mit hübschen Vorgärten. Während ich Matthias Hände auf dem Dach des Rockefeller Centers halte. Und auch in der stickigen Subway, zusammengepfercht mit Menschen aus aller Welt auf engstem Raum.

Diese Stadt lebt. Sie atmet. Und ich atme mit ihr. Auf wundersame Weise bin ich mit ihr in einen Tritt gekommen. Es fühlt sich an, als seien wir synchron. Auf einer Wellenlänge. Im gleichen Takt.

Und das, obwohl sie auch ihre hässlichen Seiten nicht versteckt. Sie ist unverblümt ehrlich mit mir. Zeigt mir Armut, Dreck und lässt mich die Nase rümpfen beim Duft ihrer Kanalisation. Doch im nächsten Moment ist sie so atemberaubend schön, dass ich ihr gern verzeihe. Sie zeigt sich von ihrer besten Seite. Und sie ist echt.

Doch vor allem beschenkt sie mich: Mit dem Gefühl von grenzenloser Freiheit und Glück. Ich habe den Eindruck, jeden Moment auskosten zu können. Und am liebsten würde ich noch eine ganze Weile bleiben. Ich fühle mich zuhause. In einer Stadt, die ich kaum kenne…

Wie kommt das? Warum fühle ich so? Weil ich bei meinem dritten Besuch fernab aller Sehenswürdigkeiten und frei von jedem „Pflichtprogramm“ die Augen und den Kopf frei habe für das Wesentliche? Weil ich mich in den Delis, Cafés und Restaurants der Stadt durch ihre kulinarischen Höhepunkte und Abgründe futtere? Weil ich fast jeden Abend mit einem anderen befreienden und wunderschönen Blick auf die Skyline verbringe – und dabei aus jeder neuen Perspektive andere Details entdecke? Weil ein wirklich emotionaler Moment auf dem Dach des Rockefellers mich für immer mit New York verbindet?

Ich glaube, es ist von allem ein bisschen. Und vor allem ist es gar nicht so schwer!

Authentisch Reisen: Views und Skylines

© Laura Fauss

Authentisch Reisen – so findest du das Herz deiner Ziele:
Meine Tipps

Bevor auch du zu deiner ganz persönlichen Entdeckungsreise nach dem Herz eines Ortes losziehen kannst, musst du dir klar machen: Wonach suchst du überhaupt? Was macht für dich den Ort aus? Was ist in deinen Augen der Puls, der Rhythmus, der alles bestimmt? Wenn du dir darüber klar bist, weißt du meist schon, wo du suchen musst.
Für mich liegt das Herz eines Reiseziels irgendwo zwischen den Eigenarten der Einwohner, der lokalen Küche, der Kaffee- und Teekultur, der Architektur und den vielen schönen und überraschenden (oft auch weniger schönen) Ecken. Sehenswürdigkeiten machen meist nur einen kleinen Teil aus. Aber auch sie gehören irgendwie dazu. Dennoch gibt es Orte und Momente, die mir mehr das Gefühl geben „eins mit einem Ort“ zu sein.

Los gehts:

Liebe geht durch den Magen

So abgedroschen dieses Sprichwort sein mag, so wahr ist es für mich – zumindest auf Reisen. Einer der elementaren Punkte, um zu erkennen, wie Orte und ihre Einwohner ticken, ist in meinen Augen die Küche. Wie sind die Speisen? Eher grob, rau und unverblümt? Oder ganz fein mit viel Liebe zum Detail? Wie kreativ werden Zutaten für die „typischen“ Gerichte gemischt? Kommt viel Schärfe zum Einsatz? Oder gar die Kombination aus verschiedenen Geschmäckern?
Am liebsten teste ich mich durch die lokale Küche unter freiem Himmel. Straßenstände in Asien; Street-Food-Märkte in Europa und den USA. In New York waren meine Highlights leckere Sandwiches und Bagel in Delis. Auch wenn die Karten der verschiedenen Läden oft ganz ähnlich waren, so zeigten sie doch immer wieder ganz neue Variationen der verschiedenen Klassiker.
Mein absoluter Geheimtipp: Reuben Sandwich belegt mit Sauerkraut und Pastrami <3. Keiner weiß so genau, ob diese Variation wirklich in New York geboren wurde, aber egal wie: Sie schmeckt großartig!

Spaziergänge durch bekannte und unbekannte Ecken

Einer meiner absoluten Nummer 1-Tipps, um das Herz einer Stadt zu entdecken? Laufen! In New York sind wir stundenlang geschlendert: Von Chinatown nach Soho, durch Chelsea und Tribeca bis runter ins Financial District. Während viele dieser Ecken recht bekannt sind und mittlerweile regelrecht „gehypt“ werden, kamen wir bei unseren Touren durch die Seitenstraßen auch oft an unbekannten und überraschenden Orten vorbei.

Tipp: Lass auch die Randviertel nicht aus! Bei einem Bummel durch untouristische Stadtteile lernst du eine City von einer ganz neuen Seite kennen. Auch New York hat so viel mehr zu bieten, als Manhattan. Klar, Midtown ist wunderschön und sehenswert. Aber auch Brooklyn ist wunderbar. Von bekannten Vierteln, wie D.U.M.B.O und Williamsburg bis hin zu weniger bekannten, wie Flatbush. Tolle Tipps für Brooklyn findest du im…

Authentisch Reisen: Spaziergänge

© Matthias Lackas

Authentisch Reisen: Spaziergänge

© Matthias Lackas

Alternative Reiseführer

Brooklyn Neighborhood Guide von Ina Bohse und Anne Voss. Für mich DER alternative Reiseführer schlechthin. Ich besitze ihn nicht selbst, habe ihn aber bereits verschenkt und durfte ihn mir dann für New York mal leihen. Und die beiden Autorinnen geben darin wirklich tolle und untouristische Tipps für authentische Brooklyn-Erlebnisse. Daumen hoch! 🙂
Bei einer Recherche findest du vergleichbare Bücher, die dich in Ecken fernab der „Touri-Pfade“ führen, aber auch zu zahlreichen weiteren Orten dieser wunderbaren Welt!

But first… coffee!

Was wäre ein ausgedehnter Stadtbummel ohne einen leckeren Kaffee? Auf unseren Reisen haben Matthias und ich uns angewöhnt, in jedem Ort, den wir besuchen, nach der Kaffee- oder Teekultur Ausschau zu halten (eins von beidem gibt es in ausgeprägter Form eigentlich überall). Bei unserer Suche nach Anbau-, Zubereitungs- und Aufbrühvariationen lernten wir nicht nur vieles über die entsprechenden Orte und Traditionen, sondern kamen auch oft mit Locals ins Gespräch. Einen leckeren Kaffee oder Tee gab es immer obendrauf!

Begegnungen mit Locals

Mein bisheriges Highlight? Der Tag, an dem unser indischer „All Day“-Taxifahrer in den Cameron Highlands in Malaysia zu unserem persönlichen Guide mutierte. Plötzlich erzählte er uns alles über den Anbau, besuchte mit uns gemeinsam die Teefabrik und erklärte uns am Rande der Plantagen viele interessante Fakten über die Pflanzen. Nach kurzer Gegenwehr ließ er sich dann zum Abschluss von uns auf einen Tee im Teahouse einladen, wo wir ewig über das Leben in Deutschland und Malaysia, die politischen Situationen und über Religionen plauderten. Er blieb uns in so positiver Erinnerung, dass ich ihm hier definitiv noch einen Blogpost widmen werde.

Ganz generell finde ich, dass man ein Land oder einen Ort erst dann wirklich kennen lernt, wenn man mit den Locals hinter der touristischen Fassade ins Gespräch kommt. In diesen Begegnungen eröffnen sich dir neue Perspektiven und Sichtweisen und auch wenn man vielleicht nicht immer einer Meinung ist: Eine Bereicherung sind diese Bekanntschaften definitiv!

Views und Skylines

Das ist ein Tipp, den wir in New York sowas von perfektioniert haben: Ich habe das Gefühl, ein Ziel mit jeder Perspektive, aus der ich es sehe, besser kennen zu lernen. In Big Apple waren es die verschiedenen Viewpoints auf die Skyline, in der Natur sind es die zahlreichen Ausblicke auf Meer, Berge und Wiesen.

Aussichtspunkten verschaffen Übersicht, helfen bei der Orientierung und vor allem sind sie wunderschön! Auch wenn du dort nicht in Kontakt mit Menschen oder authentischen pulsierenden Momenten kommst, so finde ich, dass die Ruhe und Weite, die an solchen Plätzen oft geboten wird, eine ganz besondere Verbindung zu Orten schaffen kann 🙂

Authentisch Reisen: Views und Skylines

© Matthias Lackas

Der etwas andere Ort für authentische Erlebnisse: Buchhandlungen

Vielleicht fragst du dich jetzt, ob das mein Ernst ist. Aber ja, ich finde, Buchhandlungen haben etwas Magisches. Und etwas Authentisches. Die Auswahl, die Anordnung, die Gestaltung: All diese Aspekte verraten für mich etwas über den Ort, an dem ich gerade bin. Was lesen die Menschen gerne? Was ist im Bestseller-Regal aufgebaut? Welche Titel werden beworben? Wie ist die Auswahl ansonsten? Welche Ratgeber-Bereiche stehen im Zentrum? Welche Hobbys haben die Menschen? All diese Überlegungen stellen sich an, wenn ich eine Buchhandlung betrete. Und zwischen den ganzen Büchern  liebe ich es, einen Kaffee zu trinken (gerade in New York bzw den USA gibt es innerhalb der großen Läden oft Cafés) und den Menschen beim Stöbern zuzuschauen…

Bei Locals wohnen? Mit Locals Abenteuer erleben!

Okay okay, AirBnB ist mittlerweile echt ein alter Hut. Und dass man bei einem Aufenthalt in den oft wirklich coolen Unterkünften mit Locals in Kontakt kommen kann, wohl auch. Doch seit neustem bietet die Plattform neben Unterkünften auch Erlebnisse mit Einheimischen an. Locals nehmen dich mit zu ihren liebsten Plätzen, besten Restaurants oder tollsten Hobbys. Ich habe das bisher selbst nicht getestet; finde aber, es klingt wirklich toll. Deshalb werde ich das wohl spätestens im Sommer auf unserer nächsten großen Reise nachholen 🙂

Eine wunderbare Fahrt mit den Öffis

Die guten alten Öffis. Eine Fahrt darin eröffnet dir ganz neue Perspektiven deiner Ziele. Und ich meine die echten, authentischen Öffis. Nicht die, die man extra für Touris und Traveler erschaffen hat, wie den Sky Train in Bangkok. Setz dich in Thailands pulsierender Hauptstadt in den Bus, fahre mit der Subway in New York von Upper Manhattan bis ans letzte Ende von Brooklyn und beobachte Menschen und ihre Geschichten dabei, wie sie kommen und gehen.

Sicher sind Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer ein Spaß. Meist sind sie sogar eher das Gegenteil: Stickig, eng, laut und wahnsinnig anstrengend. Dennoch finde ich sie immer wieder lohnenswert. Du triffst dort auf so viele verschiedene Menschen.

Es ist gerade in New York spannend zu beobachten, wie sich die Typen der Fahrgäste verändern, während die Züge sich auf den Schienen durch Manhattan Untergrund schieben: Gestriegelte Bänker im Wall Street District, Asiaten und Hipster in Chinatown und klackernde Absätze in Midtown. Ja, das alles sind Klischees. Und oft erfüllen sie sich. Umso mehr begeistern mich aber auch die ganz unerwarteten Begegnungen und Beobachtungen während so einer Fahrt in der Subway.

Authentisch Reisen: Views und Skylines

© Laura Fauss

Schreib (deine) Geschichte

Zu guter letzt mein absoluter Lieblingstipp: Reiseführer und Blogs sind super! Sie geben dir Inspiration und einen ersten Einstieg. Aber am Ende ist es wichtig, dass du DEINE Erfahrungen machst. Nur wenn du vom Weg abweichst, findest du unerwartet echte Orte. Nur wenn du bereits bist, dein striktes Programm über den Haufen zu werfen, triffst du auf überraschende Momente. Und nur, wenn du offen auf die Menschen zugehst, statt die ganze Zeit auf Google Maps zu schauen, bereichern authentische Begegnungen deine Reisen.

Zieh los und schreibe deine ganze eigene Geschichte! Und wenn du magst, dann lass mich davon wissen 🙂

 

Liebe, Glück und gute Reise!

Laura

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2 Comments

  • Reply
    JS
    8. Januar 2018 at 16:33

    Hey Laura,

    dein Beitrag war echt wieder wunderschön geschrieben. Konnte mich so in deinen Worten über die Liebe zu New York wiederfinden, denn ich habe selbst mal dort gelebt.
    Und du weißt ich mag deinen Stil hier mit den allgemeinen Tipps.

    Glaube so kann man dem Leser den größtmöglichen Mehrwert bieten und das ist ja letztenendes unser Ziel, wenn wir schreiben.
    Keep up the good work,

    JS
    http://jetstreamsforthegoodlife.com/neighbourgoods-market

    • Reply
      Laura
      8. Januar 2018 at 17:58

      Vielen lieben Dank 🙂
      Freut mich, dass dir der Text gut gefällt. Und auch, dass er für dich einen Mehrwert bietet – das ist ja mein neuer Vorsatz für 2018 für alle Blogposts 🙂

      Liebe Grüße
      Laura

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