#justanothertravelblog? Warum ich niemals „Influencerin“ sein will

#justanothertravelblog: Beitragsbild
© Matthias L.

„Einen Reiseblog? Also bist du jetzt Influencerin?“.
Diese und ähnliche Aussagen höre ich öfter, wenn ich in einem Gespräch erzähle, dass ich einen Reiseblog betreibe.
Auf den ersten Blick heißt Blogger = (Möchtegern)-Influencer, das ist mir klar. Ich weiß auch, dass viele Menschen die Arbeit von Bloggern nicht ernst nehmen.

Mir ist außerdem bewusst, dass Bloggen eine Beschäftigung ist (ob Hobby oder Nebenjob), die viele zum Lästern animiert. Manche Menschen verstehen das Prinzip dahinter nicht, interessieren sich nicht dafür oder finden es einfach grundsätzlich „bescheuert“ und „selbstdarstellerisch“. Leider ist all‘ das auch mir begegnet – und leider selbst im näheren Umfeld…

Das war auch der Grund, warum ich das „Projekt Blog“ lange vor mir her geschoben habe. Aus „Sorge“, was „die anderen“ denken könnten. Heute weiß ich, dass das ein ziemlich blöder Gedanke ist. Mehr noch: Manchmal hätte ich am liebsten noch einen zweiten Blog zu gesellschaftlichen Themen. Aber aktuell lastet mich ja einer schon aus 😀

Denn egal, ob man (wie in meinem Fall) oft ohne „Lohn“ bloggt oder hauptberuflich: Jeder, der einem Blogger oder einer Bloggerin mal über die Schulter geguckt hat, weiß, dass es mehr ist, als kostenlos zu schönen Zielen zu reisen, schnell ein Foto zu schießen und wieder abzuhauen. Ich weiß, das liest man überall. Aber es ist auch einfach Fakt.

Viele kleinere (Hobby)-Blogger zahlen alle ihre Übernachtungen selbst; ganz zu schweigen von der jeweiligen Anreise. Ihre Freizeit auf Reisen verbringen sie damit, in vielen Situationen und bei jedem Wetter (auch bei 30 Grad im Schatten 😀 ) Fotos zu machen, diese zu bearbeiten, Infos zu recherchieren, Blogposts zu schreiben und ihren Followern via Instastories einen Einblick in ihre Reisen zu geben.
Dass sich da viele Leute fragen, ob man spinnt, leuchtet mir sogar ein.

Und trotzdem liebe ich das Bloggen, auch wenn es (wie jedes andere Hobby und jeder andere „Job“ auch) mit Aufwand verbunden ist.

Warum gibt es YOURneys?

Ich habe YOURneys 2017 gegründet weil ich einige Monate zuvor parallel zum Studium aus zeitlichen Gründen von einem journalistischen Job bei der New York Times zu einem studentisch/wissenschaftlichen Nebenjob an der Uni gewechselt war. Auch wenn ich damals (wie heute) als Freie für Zeitungen gearbeitet habe, berichtete ich immer seltener. Und das fehlte mir. Ich wollte wieder mehr schreiben.

Da das Reisen sich in den letzten Jahren zu meiner größten Leidenschaft entwickelt hat, kam ich auf den Gedanken eines Reiseblogs. Viele Monate stempelte ich das aus oben genannten Gründen jedoch als „Schnapsidee“ ab. Trotzdem ließ mich der Gedanke nicht los. Eines Nachmittags dachte ich „Denk nicht, sondern mach“. Dann warf ich alle Zweifel über Bord, schaute mir Tutorials zu WordPress an, baute YOURneys auf und füllte den Blog mit Artikeln.

Anfangs erzählte ich nur ganz wenigen Freunden davon. Zu groß war die „Angst“ vor der Reaktion. Dank meiner Mama, die eines Tages einfach einen Beitrag bei Facebook teilte, sprach sich die ganze Sache dann aber rum.

Die Erkenntnis: Nicht jeder deiner Freunde schätzt, was du machst

Neben viel positivem Feedback kamen (leider auch aus dem näheren Freundeskreis) auch verständnislose Reaktionen. „Ist dir das nicht unangenehm?“, „Was bringt es dir?“, „Warum machst du das?“. Die Antwort „Weil ich Lust drauf habe“ überzeugte nicht alle. Im Laufe der Zeit wurde klar, dass es sogar Freundinnen gab, die über das Bloggen lästerten und es mir ausreden wollten. Dass meine Texte auch als freie Journalistin öffentlich lesbar waren und dass das mit YOURneys eigentlich ähnlich war, schien vielen dabei nicht aufzufallen.

Klar: Mit der Zeit zeigte sich, dass es bei öffentlichen Texten nicht bleibt. Wer als Blogger voran kommen will, teilt seine Reisen und sein Leben ein Stück weit mit der Außenwelt; macht sich angreifbar. Das ist bis heute ungewohnt. Ich fühle mich immer noch manchmal blöd, wenn ich für Instastories mit meinem Handy rede.

Bloggen unterscheidet sich äußerlich natürlich gänzlich vom „klassischen Journalismus“: Man baut seine Webseite selbstständig auf, ist für das Endlektorat selbst verantwortlich, macht die Fotos ausnahmslos in Eigenregie und ist manchmal sogar das Motiv oder mindestens Requisite auf den Bildern. An vieles davon musste ich mich erst einmal gewöhnen – allem voran an die Tatsache, selbst auf Bildern zu erscheinen oder eben vor meinem Handy zu sprechen.

Anfangs habe ich deshalb kaum Stories gemacht und ausschließlich Landschaften und Orte gepostet aber das Feedback zeigte mir, dass die meisten Follower auch auf Reiseaccounts Menschen sehen wollen – auch wenn sie nicht die Hauptrolle auf dem Bild spielen.

Alles in allem wurden meine Erwartungen an YOURneys aber dennoch erfüllt: Bloggen, und auch das „Microblogging“ auf Instagram (Werbung, da Verlinkung), machen mich in den meisten Fällen genauso glücklich, wie das Schreiben für Zeitungen.

Ich recherchiere für meine Posts und Blogartikel Inhalte, besuche Orte oder Veranstaltungen und schreibe die gesammelten Infos danach auf. Im Grunde ist das genau das, was ich als Journalistin auch tue.

Hinzu kommt, dass ich durch YOURneys Skills in den verschiedensten Bereichen lerne und verbessere: Webdesign, Suchmaschinenoptimierung, Fotografie, Bildbearbeitung…

Deshalb bin ich unglaublich froh, dass ich mich an diesem Nachmittag im Februar 2017 durchgerungen habe. Ich lerne dank der Bloggerei jeden Tag dazu, ich knüpfe Kontakte und erlebe Dinge, die ich sonst nicht sehen würde. Und mein Blog ist darüber hinaus eine Art Visitenkarte und hat mir auch in der „echten Berufswelt“ schon weitergeholfen. Das alles bestärkt mich auch dann, wenn mal wieder jemand die Nase über „Blogger“ rümpft.

In den letzten Wochen hatte ich jedoch Angst, meine Intention hinter der Bloggerei und mich selbst zu verlieren.

Berichten statt „influencen“

Von Anfang an baute ich YOURneys so auf, dass es eben nicht darum gehen sollte, Menschen zu „influencen“.
Stattdessen wollte ich berichten. Ich wollte meinen Followern und Lesern Tipps und Einblicke mitgeben, die ihnen dabei helfen, ihre eigenen wunderschönen (Reise)-Erfahrungen zu sammeln.
Und wenn es auf YOURneys mal Kooperationen gibt, dann stets unter dem Aspekt, dass ich Leistungen/Produkte teste, FALLS jemand von euch Interesse daran hat. Nicht unter dem Aspekt, dass möglichst viele von euch beeinflusst werden, sie mir nachzukaufen.

Deshalb sehe ich mich weder momentan als „Influencerin“, noch möchte ich jemals eine sein.

YOURneys ist viel mehr mein Herzensprojekt, das es mir ermöglicht, wann immer ich möchte Berichte zu veröffentlichen, die sich thematisch rund um meine größte Leidenschaft drehen. Und zwar ohne, dass eine bestimmte Zeitung mich anfragt. Ohne, dass mich irgendwer dafür bezahlt. Und ohne, dass mir jemand diktiert, was ich schreiben darf. Einfach nur so. Aus Lust am Berichten 🙂

Und genau deshalb möchte ich 2019 zurück dahin: Reiseberichte. Und Reportagen – übrigens mein liebstes journalistisches Genre! Texte mit Mehrwert. Content, der euch bei der Reiseplanung hilft oder einfach inspiriert.

Hassliebe: Kooperationen…

Aber wie ist das, wenn es sich um eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen handelt? Auch wenn ich mich nicht als „Influencer“ sehe, nehme ich manchmal trotzdem ausgewählte Kooperationen an. Ich teste die Unterkünfte/Produkte dann auf Herz und Nieren und berichte euch anschließend meine EHRLICHE Meinung dazu. Ist das Werbung? Ja! Und damit hadere ich auch oft. Dennoch machen Kooperationen mir Spaß und sie sind oft der einzige Weg, wie man als Blogger für seine Arbeit „entlohnt“ wird – mal abgesehen vom (positiven) Feedback der Community natürlich 🙂

Trotzdem frage ich mich jedes Mal: Möchte ich wirklich Werbung machen, damit alle mir etwas nachkaufen/nachmachen? Nein! Aber: Will ich meinen Followern einen Einblick geben? Ja! Aus diesem Grund möchte ich meine Kooperationen in 2019 noch mehr auf dem „Test“-Aspekt aufbauen. Ich möchte noch mehr „berichten“ und noch weniger „beeinflussen“, um mich wieder mehr als Berichterstatterin und weniger als Werbeplattform zu definieren. Und um YOURneys für euch noch transparenter zu machen…

YOURneys: Herzensprojekt und Glücksfall!

Für mich ist das Betreiben meines eigenen Reiseblogs nach wie vor eine Win-Win-Situation, auch wenn ich ziemlich sicher niemals davon leben kann. Das strebe ich (entgegen vieler Unterstellungen) auch gar nicht an. Im Gegenteil. Ich bin glücklich, dass ich YOURneys nur so intensiv betreibe, wie es meine anderen Aufgaben und Projekte gerade zulassen. Wenn ich für meine Arbeit ab und an entlohnt werde, dann ist das großartig! Wenn nicht, ist es auch okay!

YOURneys gibt mir die Chance, meine Schreiblust so auszuleben, wie ich es möchte. YOURneys gibt mir die Chance, von Reisen zu berichten und Neues zu lernen.

Und das ist genau das, was ich möchte:
Über das Reisen berichten und euch mit meinen Texten und Eiblicken ein bisschen Inspiration und im besten Fall Hilfestellung bieten 🙂

Ich hoffe, dass mir das ab und an gelingt…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.